Der koreanische Ginseng

Ewiges Leben, ewige Gesundheit und Unsterblichkeit, dieser Traum ist bereits so alt wie die Menschheit selbst. Schon in der Antike, in religiösen oder mythischen Texten und Legend suchten die Menschen nach dem einen Kraut, dem einen Elixier, dem Brunnen oder der Frucht die sie angeblich unsterblich machen soll. Der Wunsch nach der Unsterblich war schon immer sehr groß, unabhängig von der Kultur, Land oder der Zeit in der die Menschen gelebt haben. Sie suchten immer nach dem einen Mittel, dem heiligen Gral der im Stande war einem die Unsterblichkeit zu geben, oder zumindest dazu in der Lage war, das leben um Jahrhunderte zu verlängern.

Laut koreanischer Legenden gibt es einen Weg die Unsterblichkeit zu erlangen. Man müsse nur den weißen Saft einer Ginsengwurzel, die über 300 Jahre lang im Boden gewachsen ist, zu sich nehmen.

So wurde der Ginseng ein Sinnbild für langes Leben und eine gute Gesundheit. Um die tatsächliche Herkunft und Entdeckung des Ginsengs vor ca. 2000 bis 5000 Jahren ranken sich allerdings viele Mythen und Legenden. So besagt eine Legende das der Ginseng die Pflanze eines sehr mächtigen Berggeistes ist der über die Wälder herrscht, dem „Sam“. Laut der Legende werden nur Menschen die nach einer Ginsengwurzel suchen und eine reine Seele haben auch von Sam mit einer solchen Wurzel beschenkt werden. Sam belohnte die guten Menschen mit Leben und Gesundheit und bestraft die Bösen mit Tod und Krankheit.

So entwickelte es sich, das die sog. Ginsengsucher bereits Wochen vor beginn ihrer Suche nach einem bestimmten Ritual lebten um den Berggeist Sam gutmütig zu stimmen. Die Ginsengsucher lebten viele Wochen lang vor ihrer Bergwanderung keusch, verzichteten auf alle Arten von Fleisch, reinigten sich jeden Tag mit Bädern und beteten direkt zu dem Berggeist. Wenn einer der Sucher dann eine Wurzel gefunden hatte, dann dankte er zuerst ehrfürchtig den Berggeist Sam für das Geschenk und grub sie vorsichtig aus dem Boden aus.

Das Geschenk von Sam währte für die Sucher jedoch oftmals nicht sehr lange, denn sobald der Ginsengsucher wieder zuhause angekommen war, musste er meist alle Ginsengwurzeln, bis auf eine die er für seine Familie und Freunde aufhob, an koreanische Beamte abgeben. Die Beamten nutzen die heilige Wurzel jedoch nicht für sich selbst, sonder brachten diese zu den koreanischen Fürsten die mit diesen Wurzeln über viele Jahrhunderte hinweg die chinesischen Kaiser, die japanischen Kaiser sowie viele weitere Herrscher unterschiedlicher Nachbarländer milde stimmten und dadurch Koreas Freiheit erkauften.  Da die Gier der anderen Länder immer größer wurde und die Nachfrage immer mehr zunahm wurde Korea irgendwann eine Ginsengsteuer auferlegt, welche Korea an die anderen Länder zu zahlen hatte.

Dies hatte enorme Folgen für die Ginsengsucher und ihre Familien die nun gar wochen- oder monatelang in den dichten Wäldern nach den kostbaren Wurzeln suchen mussten. Viele Sucher kahmen dabei durch Unfälle ums Leben, wurden überfallen und ausgeraubt oder sogar umgebracht da sich die unbewaffneten, Sucher nicht gegen die oft schwer bewaffneten Räuber wehren konnten. Dies führt dazu, dass bald kein Ginsengsucher mehr in die Wälder gehen wollte, sondern lieber mit den Steuerbeamten stritt, als ihre Leben in den dichten und gefährlichen Wäldern aufs Spiel zu setzen. So kahm es irgendwann, dass die Räuber ihre Vorgehensweise änderten und die Ginsengsucher nicht mehr töteten, sondern den Suchern eine rote Fahne mit gaben. Durch die rote Fahne gekennzeichnet, wusste nun jeder, der den Sucher sah, dass dieser überfallen wurde und mit leeren Händen aber unverletzt, nach hause zurück kahm.  Die Sucher selbst wurden jedoch auch immer einfallsreicher. Sie versteckten die Wurzeln in Kleidungsstücken, zogen die Wurzeln an einer Langen dünnen Schnur hinter sich her und gründeten sogar ganze Geheimbünde.

Der Ginseng wurde so unglaublich begehrt, dass man ihn sogar mit Gold und Silber aufwog, was bald dazu führte, dass er auch als allgemeines Zahlungsmittel genutzt wurde. Da jedoch die Nachfrage nach dem Ginseng trotz allem weiter unaufhaltsam anstieg, begannen die Ginsengsucher irgendwann damit diesen heimlich in den Wäldern zu züchten. Über viele Jahre hinweg perfektionierten die Sucher ihr können und schafften damit etwas, was bis dahin gänzlich für unmöglich gehalten wurde. Sie machten den Ginseng landwirtschaftlich kultivierbar.

 

Der Chinesische Ginseng

Um ca. 200 v. Chr. kahm der Ginseng das erste Mal von Korea nach China.

Der Ginseng nahm einen sehr hohen Rang in der traditionellen chinesischen Medizin ein, während er der westlichen Welt jedoch sehr lange Zeit gänzlich unbekannt war.

Im 9. Jahrhundert n. Chr. brachte erstmals Ibn Cordoba, ein großer arabischer Seefahrer, die heilige Wurzel aus China mit in seine Heimat, dem von den Arabern besetzen Gebiets spaniens. Das Wissen um die Ginsengwurzel und ihre Verwendung verschwand jedoch wieder gänzlich nach dem Untergang der arabischen Kultur.

Im 13. Jahrhundert, berichtete Marco Polo nach seiner Rückkehr aus China nach Venedig von der heiligen Wurzel aus China und ihrer heilsamen Wirkung.

Nach Europa kam die Wurzel dann erst wieder Anfang des 17. Jahrhunderts n. Chr. durch holländische Seefahrer und Kaufläute. Noch im selben Jahrhundert zogen christliche Missionare nach China und Japan und beschrieben in ihren Berichten die besondere Heilkraft der Ginsengwurzel. In Europa wurden die Informationen über die Heilpflanze akribisch von Gelehrten zusammengetragen.

Der Gelehrte WILLEM PISO aus Amsterdam schrieb die erste dokumentierte westliche Abhandlung über den Ginseng. Im Jahr 1673 beschrieb FREDERIK DEKKERS, ein Professor an der Hochschule in Leiden die hervorragende Wirkung des Ginsengs bei Schwächeanfällen und Fieber. Anschließend schrieb auch DEKKERS eine wissenschaftliche Abhandlung über den Ginseng in dem er am Ende zu dem Schluss kommt, dass der Ginseng ein großartiges Mittel ist um alle Krankheiten zu heilen und diesen vorzubeugen. Ebenfalls zu derselben Zeit wurde in Wissenschaftlichen Kreisen die Wirkung des Ginsengs als Potenzmittel ausgiebig diskutiert.

Einen wahren Ginseng Ansturm löste der Brief des Jesuitenpaters Jartoux im Jahre 1711 n. Chr. aus, als dieser von China aus einen Brief an die „Royal Society in London“ schickte. In seinem Brief beschrieb Jartoux die Heilpflanze und ihre heilende Wirkung sehr ausgiebig.

Zwanzig Jahre nach Jartoux berichtete ein weiterer Jesuitenpater namens J.B. du Halde aus China über den Ginseng. Er beschrieb in seinem Bericht viele verschiedene Ginseng Rezepte und lieferte eine genaue Auflistung der Indikationen bei denen er eingesetzt werden konnte, wie z.B.:

  • Durchfall
  • Schwindsucht
  • Nieren- und Blasenleiden
  • Rheuma
  • Gicht
  • Lepra
  • Nasenbluten
  • Völlerei
  • Melancholie
  • und viele mehr …

Dies führte dazu, dass der Ginseng schon bald in ganz Europa als wahres Allheilmittel angepriesen wurde. In Europa verschrieben viele Ärzte den Ginseng hauptsächlich bei Erschöpfungszuständen und allgemeiner Kraftlosigkeit.

Auch Russland importierte neben Europa seite dem 17. Jahrhundert große Mengen Ginseng  aus China. Da die Nachfrage in kurzer Zeit sehr stark anstieg, stieg auch der Preis für den Ginseng in bisher noch nie dagewesene höhen. Es dauerte jedoch nicht lange und der etwas günstigere amerikanische Ginseng verdrängte den teueren chinesischen Ginseng vom Markt. Die Heilwirkung des amerikanischen Ginsengs jedoch war gegenüber dem chinesischen Ginseng geringer und oftmals war das Ginsengpulver mit anderen billigen Substanzen vermischt bzw. gestreckt.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts verschwand der Ginseng jedoch wieder komplett von der Bildfläche, da die westliche Medizin einen anderen Wege eingeschlagen hatte, wodurch künstliche chemisch gefertigte Medikamente den natürlichen bevorzugt wurden. In diese Bild passte eine exorbitant teure Heilpflanze die aus einem fernen Land importiert werden musste leider nicht mehr hinein.

 

Der amerikanische Ginseng

Die Geschichte des Amerikanischen Ginsengs begann im Norden des amerikanischen Kontinents, dem heutigen Kanada. Dort Missionierte ebenfalls ein Jesuitenpater namens Lafiteau, die einheimischen Indianer, die sogenannten Irokesen, als er durch die ordenseigenen Kommunikationswege von dem chinesischen Ginseng des Jesuitenpater Jartoux erfahren hatten.  In dem Brief von Jartoux an die „Royal Society in London“ hatte dieser vermutet, dass der Ginseng auch in nordamerika, dem heutigen Kanada, zu finden sein musste, da die dortigen Wälder und das Klima dem in der chinesischen Mandschurei ähnelte. Also machte sich Lafiteau auf den Weg um die Wunderwurzel zu suchen. Nach einiger Zeit fand Lafiteau die Wurzel tatsächlich auch in Nordamerika. Die Wurzel war den einheimischen Indianern jedoch bereits sehr gut bekannt und sie bestätigten Ihm, dass die Wurzel heilende Wirkung besaß. Die Irokesen nannten diese „garent-ougen“, was so viel bedeutet wie „menschliche Beine“. Jedoch war für die ansässigen Indianer der amerikanische Ginseng, anders als der chinesische Ginseng für die Chinesen, nicht mehr als eine unter vielen Heilpflanzen.

Lafiteau sammelte mehrere Exemplare und schickte diese an Biologen in Frankreich, welche anschließend erkannten das es sich bei dem in Amerika entdeckten Ginseng um den sog. Panax quinquefolius handelte, welche mit dem asiatischen Ginseng nahe verwandt ist.

Kurze Zeit später schon versuchten chinesische Kaufläute den amerikanischen Ginseng zu kaufen um die enorme Nachfrage am Markt nach Ginseng decken zu können.

Zu Beginn wurde noch der wilde amerikanische Ginseng gesammelt, jedoch nach absehbarer Zeit gab es kaum noch wilden Ginseng und die Menschen fingen an auch den amerikanischen Ginseng auf speziellen Plantagen anzubauen. Auch heute wird der amerikanische Ginseng noch immer in großen Mengen angebaut und exportiert.

 

Der Ginseng im 20. Jahrhundert

Mitte des 20. Jahrhunderts begannen verschiedene internationale Forschungseinrichtungen und Wissenschaftler sich wieder vermehrt für den Ginseng zu interessieren. Sie analysierten die chemischen Komponenten des Ginsengs und führten diverse Studien durch um die Wirkung der Pflanzenstoffe zu prüfen.

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